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In fast jeder deutschen Haus- und Wohnungstür steckt ein Profilzylinder. Ihn gibt es in drei Grundformen: als Doppelzylinder mit zwei Schlüssellöchern, als Knaufzylinder mit Drehknauf innen und als Halbzylinder mit nur einer Schlüsselseite. Dazu kommen Sonderformen und ganz andere Bauarten für Kastenschlösser, Tore und Briefkästen. Dieser Überblick zeigt, welche Art wofür gedacht ist – mit Entscheidungshilfe und Maß-Check.
Das Wichtigste in 20 Sekunden
- Der Standard ist der Profilzylinder – er passt in jedes Einsteckschloss mit dem typischen birnenförmigen Loch.
- Drei Grundformen – Doppel-, Knauf- und Halbzylinder unterscheiden sich nur auf der Innenseite.
- Die Innenseite entscheidet – Schlüssel, Knauf oder gar nichts: Daraus ergibt sich die passende Form.
- Alle Formen lassen sich mischen – in einer Gleichschließung oder Schließanlage mit demselben Schlüssel.
Was ist ein Profilzylinder?
Ein Profilzylinder ist ein Schließzylinder mit der typischen Birnenform: oben ein runder Kern mit dem Schlüsselkanal, unten ein schmaler Steg. Diese Form heißt Europrofil und ist genormt. Der Zylinder ist rund 17 mm breit und 33 mm hoch. Deshalb passt jeder Profilzylinder in jedes Einsteckschloss für Profilzylinder – das eigentliche Schloss mit Falle und Riegel, das im Türblatt sitzt.
Gehalten wird der Zylinder von einer einzigen Schraube, der Stulpschraube in der Türkante. Sie greift in ein Gewinde in der Mitte des Stegs. Direkt daneben sitzt der Schließbart, ein drehbarer Nocken, der beim Schließen den Riegel bewegt. Die Länge eines Profilzylinders wird deshalb immer ab dieser Mitte angegeben, getrennt für außen und innen – zum Beispiel 30/40.
Je nach Hersteller und System unterscheiden sich Profilzylinder im Inneren erheblich: in Zahl und Art der Zuhaltungen, im Bohr- und Ziehschutz und im Kopierschutz. Die Außenform bleibt aber immer gleich. Woran Sie einen sicheren Zylinder erkennen, zeigt unser Ratgeber zum sicheren Schließzylinder.
Die drei Grundformen: Doppel-, Knauf- und Halbzylinder
Außen sieht jede Grundform gleich aus: ein Schlüsselloch. Der Unterschied liegt auf der Innenseite. Dort sitzt ein zweites Schlüsselloch, ein Drehknauf – oder gar nichts.
Doppelzylinder
Schlüssel außen und innen. Der Standard an Haus-, Wohnungs- und Nebentüren.
Knaufzylinder
Außen Schlüssel, innen Drehknauf. Bequem, wo innen ohne Schlüssel geschlossen wird.
Halbzylinder
Nur eine Schlüsselseite. Für Garagentore, Schlüsselschalter und Schaltschränke.
Doppelzylinder
Der Doppelzylinder lässt sich von beiden Seiten mit dem Schlüssel bedienen. Er ist die häufigste Bauform und passt an fast jede Tür mit Einsteckschloss. Die Längen außen und innen sind frei kombinierbar, bei uns je Seite von 30 bis 70 mm in 5-mm-Schritten. Auf Wunsch bekommt er eine Not- und Gefahrenfunktion: Dann lässt sich die Tür von außen schließen, auch wenn innen ein Schlüssel steckt.
Knaufzylinder
Beim Knaufzylinder sitzt innen ein Drehknauf. Sie schließen von innen mit einem Dreh, ohne Schlüssel – praktisch an Wohnungstüren und viel genutzten Türen. Weil innen nie ein Schlüssel steckt, blockiert er den Schlüssel von außen nicht. An Türen mit Glas in Reichweite ist er dagegen ungeeignet, denn durch eine eingeschlagene Scheibe ließe sich der Knauf drehen. Gemessen wird innen nur bis zum Knaufansatz. Mehr dazu im Ratgeber Knaufzylinder.
Halbzylinder
Der Halbzylinder hat nur auf einer Seite ein Schlüsselloch. Auf der anderen sitzt direkt der Schließbart. Man findet ihn an Garagen- und Rolltoren, Schlüsselschaltern, Schaltschränken und manchen Toren. Das zweite Maß ist fest: bei uns 10 mm, die Angabe lautet also zum Beispiel 30/10.
Sonderformen des Profilzylinders
Innerhalb der drei Grundformen gibt es Varianten für besondere Türen und Anforderungen. Die wichtigsten:
| Variante | Wofür | Gut zu wissen |
|---|---|---|
| Doppelzylinder kurz | sehr dünne Neben-, Keller- und Kunststofftüren | 28 / 35 · 40 · 45 mm |
| Not- und Gefahrenfunktion | Haus- und Wohnungstüren mit Kindern, älteren Angehörigen oder Pflege | nur bei Doppelzylindern, nicht nachrüstbar |
| Sonderlängen | sehr dicke Türen oder Beschläge | über 70 mm je Seite auf Anfrage |
| Sicherheitszylinder | Haustüren und Eingänge mit Schutzbedarf | Bohr-, Zieh- und Kopierschutz je nach System |
Stand unseres Sortiments für die Systeme von ABUS und Winkhaus.
Den Begriff Sicherheitszylinder verwenden Hersteller unterschiedlich. Aussagekräftiger sind geprüfte Merkmale wie Bohrschutz, eine Klasse nach DIN EN 1303 und ein geschütztes Schlüsselprofil mit Sicherungskarte.
Außenzylinder, Vorhangschloss und Möbelzylinder
Nicht jedes Schloss nimmt einen Profilzylinder auf. Für aufgeschraubte Schlösser, Bügelschlösser und kleine Schlösser gibt es eigene Bauformen.
Außenzylinder
Ein Außenzylinder – auch Aufschraubzylinder genannt – ist rund und wird außen auf die Tür gesetzt. Er schließt ein Schloss, das innen auf der Tür sitzt: ein Kastenschloss an einer Altbau- oder Nebentür oder ein Zusatzschloss. Befestigt wird er von innen. Ob es ihn im gewünschten System gibt, hängt vom Hersteller ab.
Vorhangschloss
Das Vorhangschloss, auch Hangschloss genannt, hat einen Bügel statt eines Zylinderlochs. Es sichert Tore, Ketten, Kellerabteile oder Container. Mit einem Zylinder aus dem eigenen Schließsystem lässt es sich in eine Gleichschließung oder Schließanlage einbinden. Dann öffnet derselbe Schlüssel Haustür und Gartentor.
Möbel- und Briefkastenzylinder
Möbel-, Spind- und Briefkastenschlösser arbeiten meist mit kleinen Zylindern, die einen Schließhebel drehen. Sie sind deutlich kleiner als ein Profilzylinder und haben eigene Maße. Für die Sicherheit der Wohnung spielen sie kaum eine Rolle.
Elektronische Zylinder öffnen mit Chip, Karte oder App statt mit einem mechanischen Schlüssel. Sie lohnen sich vor allem in großen Gebäuden mit vielen Nutzern, weil sich verlorene Medien per Software sperren lassen. Solche Anlagen planen wir ab etwa 60 Türen vor Ort – mehr unter Großprojekte.
Welche Zylinderart brauche ich?
Die passende Bauform ergibt sich aus zwei Fragen: Wo sitzt das Schloss – und was soll auf der Innenseite passieren? Der Entscheidungsbaum führt Sie in wenigen Schritten zur richtigen Form.
An den meisten Türen im Haus landen Sie beim Doppel- oder Knaufzylinder. Soll innen ohne Schlüssel geschlossen werden und ist kein Glas in Griffnähe, ist der Knauf bequemer. Bleibt innen öfter ein Schlüssel stecken, wählen Sie den Doppelzylinder mit Not- und Gefahrenfunktion.
Ist die Form klar, fehlt nur noch das Maß. Der Maß-Check rechnet Ihre Messwerte für Doppel-, Knauf- und Halbzylinder in die passende Größe um. Wie Sie richtig messen, erklärt der Ratgeber Schließzylinder ausmessen.
Maß-Check
Welche Zylindergröße passt zu Ihrer Tür?
Zylinderart wählen, Messwerte eintragen – der Check wählt die passende Größe aus unserem Sortiment und prüft den Überstand.
Verfügbar sind außen und innen 30 bis 70 mm in 5-mm-Schritten, dazu der kurze Doppelzylinder 28/35, 28/40 und 28/45. Längere Maße auf Anfrage: 08386 991461. Beispielwerte sind vorausgefüllt.
Welcher Zylinder sitzt wo? Beispiele aus dem Haus
Zur Orientierung: So verteilen sich die Bauformen an typischen Türen. Jede Tür bekommt dabei ihre eigene Länge.
| Tür | Übliche Bauform | Hinweis |
|---|---|---|
| Haustür | Doppelzylinder | oft mit Not- und Gefahrenfunktion und Schutzbeschlag |
| Wohnungstür | Knaufzylinder oder Doppelzylinder | Knauf nur ohne Glas in Reichweite |
| Keller- oder Nebentür | Doppelzylinder | bei sehr dünnen Türen der kurze Doppelzylinder |
| Tür von der Garage ins Haus | Knaufzylinder | Knauf auf der Hausseite |
| Garagentor, Rolltor | Halbzylinder | Maß nur auf der Schlüsselseite |
| Gartentor, Kellerabteil | Vorhangschloss oder Doppelzylinder | je nach Schloss am Tor |
| Altbautür mit Kastenschloss | Außenzylinder | je nach System |
Allgemeine Orientierung – maßgeblich ist das Schloss an Ihrer Tür.
Zacken-, Wende- und Bohrmuldenschlüssel
Unabhängig von der Bauform unterscheiden sich Zylinder auch im Schlüssel. Welche Art ein Zylinder nutzt, legt das Schließsystem fest:
- Klassischer Zackenschlüssel – die Codierung sitzt als Zacken an einer Kante. Er passt nur in einer Lage ins Schloss.
- Wendeschlüssel – er passt in beiden Richtungen, Sie müssen ihn nicht ausrichten. Bei uns haben ihn die ABUS Vela 2000 sowie Winkhaus N-tra+ und X-tra – mehr im Systemvergleich ABUS oder Winkhaus?
- Bohrmuldenschlüssel – statt Zacken sitzen kleine Mulden in der flachen Seite. Häufig ist er zugleich ein Wendeschlüssel.
Die Schlüsselform ist vor allem eine Frage des Komforts. Wie gut ein Zylinder schützt, hängt von seinen Zuhaltungen, dem Bohrschutz und dem Kopierschutz ab – nicht davon, ob der Schlüssel Zacken oder Mulden hat.
Verschiedene Arten mit einem Schlüssel schließen
Doppel-, Knauf- und Halbzylinder lassen sich frei mischen, solange sie aus demselben Schließsystem stammen. In einer Gleichschließung öffnet dann ein Schlüssel die Haustür mit Doppelzylinder, die Nebentür mit Knaufzylinder und das Garagentor mit Halbzylinder. Auch Vorhangschlösser lassen sich einbinden, sofern das System sie anbietet.
Dasselbe gilt für Schließanlagen mit Haupt- und Einzelschlüsseln. Im Konfigurator legen Sie jede Tür mit Bauform und Maß an und sehen den Preis sofort. Vor der Fertigung prüft ein Techniker, ob Zylinderarten, Funktionen und Schließplan zusammenpassen.
Jede Tür mit der passenden Bauform
Im Konfigurator wählen Sie für jede Tür Doppel-, Knauf- oder Halbzylinder, tragen die Maße ein und sehen sofort den Preis – einzeln, gleichschließend oder als Schließanlage.
Lieber sprechen? 08386 991461
Häufige Fragen zu Schließzylinder-Arten
Welche Arten von Schließzylindern gibt es?
Der häufigste Schließzylinder ist der Profilzylinder in drei Grundformen: Doppelzylinder, Knaufzylinder und Halbzylinder. Dazu kommen Sonderformen wie der kurze Doppelzylinder sowie eigene Bauarten wie Außenzylinder, Vorhangschlösser und kleine Möbel- oder Briefkastenzylinder.
Was ist der Unterschied zwischen Profilzylinder und Schließzylinder?
Schließzylinder ist der Oberbegriff für den Teil des Schlosses, in den der Schlüssel gesteckt wird. Der Profilzylinder ist die in Deutschland übliche Form davon – mit dem genormten, birnenförmigen Europrofil. Umgangssprachlich meinen beide Begriffe meist dasselbe.
Wann brauche ich einen Halbzylinder?
Wenn ein Schloss nur von einer Seite geschlossen wird, etwa an Garagen- und Rolltoren, Schlüsselschaltern oder Schaltschränken. Der Halbzylinder hat nur eine Schlüsselseite, das zweite Maß ist fest – bei uns 10 mm.
Knaufzylinder oder Doppelzylinder – was ist besser?
Das hängt von der Tür ab. Der Knaufzylinder ist bequemer, weil Sie innen ohne Schlüssel schließen. An Türen mit Glas in Reichweite oder wenn nicht jeder drinnen hinaus soll, ist der Doppelzylinder die bessere Wahl – an Haus- und Wohnungstüren gern mit Not- und Gefahrenfunktion.
Passt jeder Profilzylinder in jedes Schloss?
In jedes Einsteckschloss für Profilzylinder, ja – das Europrofil ist genormt. Entscheidend ist die Länge: Außen- und Innenmaß müssen zur Tür passen. Gemessen wird jeweils ab der Mitte der Stulpschraube.
Was ist ein Außenzylinder?
Ein runder Zylinder, der außen auf die Tür gesetzt wird und ein innen aufgeschraubtes Schloss schließt, etwa ein Kastenschloss oder Zusatzschloss. Er wird von innen befestigt. Ob es ihn im gewünschten Schließsystem gibt, hängt vom Hersteller ab.
Kann ich verschiedene Zylinderarten gleichschließend bestellen?
Ja. Doppel-, Knauf- und Halbzylinder desselben Systems lassen sich in einer Gleichschließung oder Schließanlage mischen. Ein Schlüssel öffnet dann alle Türen, jede in ihrer eigenen Länge und Bauform.
Über den Autor
Jan Schwärzler Inhaber · Die Schließanlage, OberstaufenJan Schwärzler bearbeitet seit 15 Jahren Schlüssel und Schließanlagen – vom einzelnen Zylinder bis zur Anlage für Betriebe und Verwaltungen. Er führt Die Schließanlage, einen Familienbetrieb aus Oberstaufen im Allgäu mit großem Lager und eigener Werkstatt.
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